Sounds of Silence - 2018

Museum für Kommunikation in Bern, Schweiz

Was ist Stille? Existiert sie überhaupt? Diesen Fragen widmet sich die Wechselausstellung ‚Sounds of Silence‘, die vom 9. November 2018 bis 7. Juli 2019 im Museum für Kommunikation in Bern (Schweiz) gezeigt wird. 

Stille ist eine der elementarsten und sinnlichsten Erfahrungen, die man als Mensch machen kann. Des Weiteren ist sie subjektiv: Während das leise Ticken einer Wanduhr dem einen als beruhigende Einschlafhilfe dient, vermag sie dem anderen die ganze Nacht den Schlaf zu rauben. Stille ist nur im Kontrast zu Klang erfahrbar: Wie können eine Umgebung nur dann als still empfinden, wenn wir sie mit einer Umgebung vergleichen, die wenig still ist. Wer über Stille erzählen möchte, kann dies also nur mit dem Vokabular des Klangs tun. 

Diese Erkenntnisse bildeten die Grundpfeiler bei der Konzeption und Umsetzung von ‚Sounds of Silence’. Die Dramaturgie stützt sich voll und ganz auf Klang. Auf gedruckten Text wird vollständig verzichtet und auch Exponate, Photographien und Videos sind nur vereinzelt vertreten. Eine abstrakte Raumgrafik dient als Orientierungshilfe und Ausgangspunkt für Assoziationen ohne jedoch Inhalte vorwegzunehmen. Klang wird zum Hauptakteur – eine gewagte Umkehr der Prioritäten in der klar visuell dominierten Welt des 21. Jahrhunderts. 

Mit Hilfe der sogenannten Binaural Sound Technologie und interaktiver Programmierung wird eine dreidimensionale Klanglandschaft im Raum aufgebaut. Ein Tracking-System ermittelt die Position und Kopfrotation aller Besucher. Anhand dieser Daten kann die Hörperspektive jedes Besuchers in Relation zur ihn umgebenden Klanglandschaft fortlaufend in Echtzeit errechnet werden, was ein komplettes Eintauchen und individuelles Interagieren darin ermöglicht. Begleitet von einer unsichtbaren Stimme, die mal herausfordert, mal ermuntert und manchmal auch provoziert, begibt sich der Besucher auf einen Weg, dessen genauen Verlauf er selbst bestimmen kann. Dabei wird er dazu eingeladen, sich ausnahmsweise einmal ganz auf seine Ohren zu verlassen. Diese Verschiebung des Fokus mag für manche gewöhnungsbedürftig sein oder gar als Zumutung empfunden werden, sie schafft jedoch die Voraussetzungen für einen Aufmerksamkeits-Modus, in dem eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema Stille möglich wird. 

‚Sounds of Silence’ lässt unterschiedliche Welten aufeinanderprallen: Während das etwas in Vergessenheit geratene Genre des Radio Features stilistisch als grosse Inspiration diente, ähneln die Methoden der Umsetzung jenen eines modernen Computerspiels, in dem der Besucher zum Protagonisten wird. Dennoch ist ‚Sounds of Silence’ weder an ein Radiogerät noch an einen Computerbildschirm gebunden und wird erst durch das freie Entdecken im Raum erlebbar. Das Resultat ist eine Hybridform von Ausstellung, wie es sie in dieser Art noch nicht gegeben hat! 

Credits

Auftraggeber: Museum für Kommunikation Bern
Kurator: Kurt Stadelmann
Szenographie: ZMIK spacial design
Sound System Entwicklung: usomo by FRAMED immersive projects
Autor: Bettina Mittelstrass
Grafik Design: Büro Berrel Gschwind
Fotografie: Digitale Massarbeit