Wie schmeckt Klang?

Forschungen zur Symbiose von Klang und Geschmack

Seit Menschengedenken gab es Künstler und Wissenschaftler die über die Verbindung der Sinne nachgedacht haben. Nicht selten waren diese Personen selbst Synästhetiker, zB. Alexander Nikolajewitsch Skrjabin, ein russischer Komponist der selber Farb-Synästhet war und gegen Ende seiner Lebenszeit and einem multimedialen Mysterium arbeitete, welches Wort, Ton, Farbe, Duft, Tastsinn, Tanz und bewegte Architektur vereinen sollte. Bei unserer Forschung im Gebiet der Gastrophysik geht es hauptsächlich um die Wechselbeziehung von Essen und Klang. Mögliche Themengebiete sind:

  • Sound als Zutat eines Gerichtes: Wie Klänge ergänzen, was nicht oder wenig vorhanden ist; Klänge als Amplifikation oder Kontrast zur Konsistenz
  • Klänge verändern das Aussehen des Gerichts (z.B. Suppenoberfläche mit Schallstruktur, tanzender Pudding etc.)
  • Sonifikation von Gerichten: Parameter des Gerichtes werden in Echzeit in Klang übersetzt 
  • Geräusche aus/in Lebensmitteln oder Geschirr oder selbst klingende Lebensmittel (z.B. zischendes Steak, knisternde Kohlensäure)
  • Komposition als Begleitung zum Essen oder beim Servieren des Gerichtes
  • Sound als sozialer Aspekt: Stummes (und stilles) Essen, manipulierte Kommunikation, Storytelling
  • Tisch Environment als interaktive Installation oder Essen als virtuelle Realität (VR mit 3D Sound)
  • (Musik-)theoretische Ansätze: Proportionen von Zutaten (z.B. Pythagoras), Unisono oder Kontrapunkt übertragen, gekochte Akkorde, Orchestration eines Gerichtes, Rhythmus des Konsumierens
     
  • Anwendungsbeispiel 1: Sinfonie der Elemente
    Für das neue Herbstmenü 2017 ‚Die Natur spricht' komponierte Ramon De Marco eine besondere akustische Ouverture in Form einer Klanginstallation, welche die Gäste zu Beginn der kulinarischen Reise willkommen heisst. Serviert wird das akustische Menu in neun portablen Lautsprechern, welche in der Art eines Naturorchesters den Raum in eine Klanglandschaft tauchen.
    Auftraggeber: Gasthof Rössli, Link zum Projekt
     
  • Anwendungsbeispiel 2: Elektroakustische Degustationen
    Als Teil der Sounds Unlimited Veranstaltungen wollen wir das Experiment wagen, in gemütlichem Rahmen den wichtigen Fragen einer noch jungen Wissenschaft nachzugehen: Was trinkt man eigentlich zu einem Werk wie «Gesang der Jünglinge» von Stockhausen? Einen trockenen Roten oder einen lieblichen Weissen? Welches Stück wird dem runden Körper eines Barolos gerecht? Passen die Tannine zum granulierten Klang, den wir gerade hören? Und was hat eigentlich Musique Concrète mit Ripasso zu tun? Ein Abend durch tanninreiche Musik, begleitet von 8-Kanal-Trauben.
    Idee und Klang Veranstaltung: Link zum Projekt
     
  • Anwendungsbeispiel 3: Metabolische Klanginstallation
    DIGESTIVAL - das muss ich erst einmal verdauen…‘ ist eine Örtchen füllende Klanginstallation im metabolischen Milieu. Sie greift in den Kreislauf der ganzheitlichen Nahrungsverwertungskette ein, und erzeugt belebende Schwingungen für einen holistischen Stoffwechsel.
    Auftraggeber: Internationale Szenografie Biennale, Link zum Projekt